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Was Eltern über Rechtschreibung wissen sollten

Wir möchten, dass Ihre Kinder bei uns in der Schule das richtige Schreiben möglichst gut lernen. Deshalb orientieren wir uns an den Erkenntnissen aus der aktuellen Rechtschreibforschung und –didaktik.

In der Schule lernen die Kinder die Rechtschreibung im Wesentlichen mit dem Schreiben: beim Verfassen und Überarbeiten eigener Texte. Dabei werden sie von uns angeleitet und erhalten individuelle Hilfen. Wir üben gemeinsam Strategien und Arbeitsweisen ein, sammeln und sortieren Wörter, erforschen einzelne Besonderheiten der Rechtschreibung und formulieren gemeinsam Faustregeln als Hilfen zum Schreiben.

Am besten lernen die Kinder, wenn sie selbst Verantwortung für ihre Fortschritte in der Rechtschreibung übernehmen.

Wir Lehrerinnen und Lehrer und Sie als Eltern helfen den Kindern nicht, wenn wir immer ihre Texte nachsehen und die Fehler markieren und verbessern. Dann lernen sie nicht, über die Schreibung der Wörter selbst nachzudenken und das bereits Gelernte anzuwenden.

 

Rechtschreibung entwickelt sich erst nach und nach

Um die Rechtschreibung später möglichst gut zu beherrschen, muss man über viele Jahre hinweg vieles lernen:

-          Zuerst müssen Kinder lernen, dass unsere Schrift die gesprochene Sprache abbildet: Deshalb dürfen die Kinder zuerst einmal so schreiben, wie sie sprechen – auch wenn das fehlerhaft aussieht und sie z.B. HONT für „Hund“ schreiben oder EJHAPIMGATNGESCHPILT für „ich habe im Garten gespielt“. Wenn wir Erwachsenen lesen können, was das Kind geschrieben hat, ist das schon ein großer Erfolg – zugegeben, das braucht guten Willen und ist mühsam für uns. Aber wenn wir die Schreibungen – ähnlich wie die Kinder – halblaut vor uns hin lesen, dann gelingt es.

-          Viele Wörter werden anders geschrieben, als man sie spricht. Deshalb lernen die Kinder als nächstes über die Rechtschreibung der Wörter nachzudenken und mit anderen darüber zu sprechen. Dadurch entwickelt sich mit der Zeit ein Gespür für die Problemstellen in den Wörtern.

-          Für viele Rechtschreibphänomene gibt es Strategien, mit denen man sich die richtige Schreibweise erschließen kann, z.B. durch Verlängern (Berg_ mit g oder k? à Berge also g) oder durch Nutzung der Wortfamilie (Verk__ferin mit eu oder äu? à Wortfamilie kaufen, also mit äu).

-          Außerdem gibt es Faustregeln, die besagen, wie man Wörter an schwierigen Stellen meistens schreibt (z.B. langes /i/ meist als <ie>, bei langem Vokal meistens kein Dehnungs-h).

-          Die Schreibweise vieler Wörter kann man sich aber leider nicht durch Nachdenken oder die Anwendung von Faustregeln erschließen. Deshalb müssen Kinder wissen, wie man Wörter sinnvoll üben kann. Das gilt besonders für solche Wörter, die sie häufig falsch schreiben. Es nützt nur wenig, wenn sie diese Wörter lediglich mehrmals richtig von einer Vorlage abschreiben. Wichtig ist, dass sie sich das Wort aufmerksam anschauen, sich seine Besonderheiten merken, die Vorlage weglegen, das Wort aufschreiben, kontrollieren und bei Fehlern selbst verbessern.

-          Die Kinder sollten sich angewöhnen, die eigenen Texte immer zuerst selbst zu kontrollieren und zu verbessern.

-          Auch das gezielte Nachschlagen im Wörterbuch müssen sie beherrschen, um Zweifelsfälle lösen zu können.

-          Es ist gut, wenn die Kinder frühzeitig lernen, am Computer mit einem Schreibprogramm und der eingebauten Rechtschreibkontrolle zu arbeiten.

 

Fehler sind erlaubt, denn Fehler sind Wegweiser und zeigen uns, auf welcher Entwicklungsstufe sich das Kind befindet. Auf dieser individuellen Entwicklungsstufe trainieren wir mit Ihrem Kind die oben genannten Aspekte u.a. mit dem Material von Sommer-Stumpenhorst.

 

Sie, liebe Eltern, unterstützen Ihr Kind bei alledem am besten, wenn Sie ihm Hilfe zur Selbsthilfe geben. Denn dann kann es lernen, mit der Recht­schreibung möglichst rasch selbstständig zurecht zu kommen.

 

Noch ein paar Worte zu Diktaten

Das alte Klassendiktat, das Sie vielleicht noch aus Ihrer Schulzeit kennen, hat im zeitgemäßen Grundschulunterricht nicht mehr soviel Gewicht, denn inzwischen weiß man, dass die Rechtschreibung in der Regel nicht über das bloße Einüben und Einprägen von Wortbildern erlernt wird. Auch als Lernkontrolle und zur Bewertung von Rechtschreibleistungen sind Diktate ungeeignet, weil sie wesentliche Aspekte des Rechtschreibkönnens (s.o.) nicht abbilden. Und sie bewerten nicht, was ein Kind schon kann, welche Fortschritte es gemacht hat und wo es in seiner Rechtschreibentwicklung steht. Heutzutage gibt es eine Reihe von Aufgaben, die uns helfen, den Lernstand und die Entwicklung eines Kindes zu erkennen. Dabei geben uns die „Fehler“ des Kindes Hinweise für die nächsten Lernschritte und deren Förderung.

 

Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie noch weitere Fragen haben.

 

Die Fachkonferenz Deutsch