Im Rahmen unseres Erasmusprogramms hatte ich im Dezember die Gelegenheit, eine Woche lang an der deutschsprachigen Grundschule „Liceul Teoretic German Friedrich Schiller“ in Oradea (Rumänien) zu hospitieren. Die „Friedrich Schiller Grundschule“ ist eine Schule für die deutsche Minderheit, in der der Unterricht fast ausschließlich auf Deutsch als Muttersprache stattfindet.
Oradea empfing mich mit einer wunderschönen, von Jugendstilhäusern geprägten Innenstadt und einem stimmungsvollen Weihnachtsmarkt. Die Stadt atmet europäische Offenheit – überall sind EU-Flaggen präsent.
Die Schule vereint die Grundschule (Klasse 0 bis 4) und die weiterführende Schule unter einem Dach. Das Kollegium empfing mich herzlich. Viele der Lehrkräfte waren bereits in Deutschland tätig oder haben dort studiert, weshalb die Begeisterung groß war, erstmals einen Gast aus einer deutschen Grundschule zu begrüßen.
Besonders spannend war für mich der fachliche Blick auf den Spracherwerb. Da der Unterricht durchgehend auf Deutsch stattfindet, viele Kinder zu Hause aber Rumänisch oder Ungarisch sprechen, konnte ich hervorragend beobachten, wie Kinder nicht-deutscher Herkunftssprache in einem rein deutschen Schulsystem zurechtkommen. Es war beeindruckend zu sehen, wie schnell die Schülerinnen und Schüler durch das totale Eintauchen in die Sprache Fortschritte machen und dem Unterricht folgen können. Diese Beobachtungen liefern wertvolle Impulse für unsere eigene Arbeit mit mehrsprachigen Kindern.
Ein struktureller Unterschied fiel auf: In Rumänien existiert für jedes Fach ein Schulbuch – auch für Musik und Kunst. Dies schafft eine andere systematische Struktur des Unterrichts. Trotz laufender Umbaumaßnahmen an der Schule ist die technische Ausstattung auf hohem Niveau – Smartboards gehören zum Standard, vergleichbar mit unserem technischen Entwicklungsstand. Leider konnte ich aufgrund des Umbaus nur wenige Fotos vom Gebäude selbst machen.
Begleitung der 3. Klasse
Ich durfte eine 3. Klasse intensiv durch die Woche begleiten. Besonders bemerkenswert war die starke Bindung zwischen den Kindern und ihrer Klassenlehrerin, die diese Gruppe von der Vorbereitungsklasse 0 bis zum Ende der 4. Klasse führt. Diese kontinuierliche Beziehung schafft Stabilität und Vertrautheit, die sich positiv auf das Schulklima auswirkt.
Schulkultur in der Adventszeit
Da mein Besuch in die Adventswochen fiel, war die Woche von einer besonderen Atmosphäre geprägt. Statt eines großen Ausflugs organisierten die Klassen einen schulinternen Weihnachtsmarkt. Die Kinder verkauften ihre selbstgebastelten Werke mit großem Stolz und sangen deutsche Weihnachtslieder. Dies zeigt, wie gemeinsame Projekte und Traditionen die Schulgemeinschaft stärken – unabhängig von der Muttersprache.
Bemerkenswert war die emotionale Reaktion der Kinder auf meinen Besuch: Sie zeigten großes Interesse am Austausch, stellten viele Fragen und reagierten am Ende der Woche sichtlich traurig auf meinen Abschied.
Erkenntnisse für unsere Schulentwicklung
Diese Woche hat gezeigt, wie wertvoll europäischer Austausch konkret ist. Ich kehre mit vielen neuen Erkenntnissen zurück, die ich gerne im Kollegium und in meinen Unterricht einbringen möchte. Der intensive Austausch mit dem Kollegium in Oradea hat bereits erste Gedanken zu einem möglichen gemeinsamen Projekt entstehen lassen.
Erasmus+ ermöglicht uns, über den Tellerrand zu schauen, von anderen Schulsystemen zu lernen und gleichzeitig unsere eigenen Stärken neu zu erkennen. Ich danke meiner Gastschule herzlich für die offene und lehrreiche Woche und freue mich auf den zukünftigen Austausch mit unserem Kollegium.





